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Alles bio?

„Sinnvoll für Mensch und Erde“, „Bio-Genuss für alle“ oder „Wir machen Bio aus Liebe“. Dies sind nur drei der aktuellen Werbeslogans, die mir ins Auge fallen, wenn ich meine Lebensmittel kaufe. Zugegeben: Ich bin, was meine Lebensmittel betrifft, wie man gerne so sagt, ein „Voll-Öko“. Ich kaufe eigentlich nur noch mit Biosiegel ein. Das blinde Vertrauen, das andere Menschen beim Shopping an den Tag legen, wenn sie eine Markenjeans in der Hand halten, spüre ich beim Einkauf von „Bio“ besiegelten Produkten. Weil ich der Überzeugung bin es schmeckt besser, es ist gesünder und ich tue etwas Gutes.

Und dann kam der Biolebensmitteltest der Stiftung Warentest, Ausgabe 6/2010: „Biolebensmittel sind im Durchschnitt nicht besser als konventionelle Produkte.“ Dieser Satz war wohl der, nachdem sich viele Nicht-Bio-KäuferInnen gesehnt hatten. Eine Bestätigung ihrer Vorurteile. Eine Bestätigung dafür, dass die Biobranche gleich gute Lebensmittel im Verhältnis zu den Discountern zu höheren Preisen verkauft. Die „Ökos“ hingegen können über dieses Urteil der Stiftung Warentest jetzt ernüchtert den Kopf schütteln und sich betrogen fühlen. Ein Blick ins Detail: Die Gesellschaft für Konsumforschung stellt zunächst fest, dass 94 % der deutschen Haushalte 2009 mindestens ein Bioprodukt kauften. Für 60 % des Bio-Umsatzes waren dabei die Discounter verantwortlich. Aus irgendeinem Grund hat sich Bio also etabliert. Liest man nun den Test der Stiftung Warentest, ist folgendes festzuhalten: Bio hat trotzdem seine Vorteile, selbst wenn die Gesamtqualität ähnlich wie die der konventionellen Produkte ist. In den allermeisten Bioprodukten ist nicht die Spur eines Pestizids nachzuweisen. Leichte Schwächen zeigt Bio hingegen, was Geschmack, Geruch und Aussehen betrifft, aber in der Keimfreiheit steht Bio den konventionellen Produkten in nichts nach. Spätestens jetzt müsste ich mir doch die Haare raufen, oder? Allerdings gibt es etwas, dass der Test als äußerst positiv hervorhebt. Stichwort: Nachhaltigkeit. Wenn keine Pestizide verwendet werden, vermindert sich die Vergiftungsgefahr der Plantagenarbeiter in den Herkunftsländern, wo es häufig so etwas wie Pestizidschutz für die Arbeiter gar nicht gibt. Ein Pfund Biokaffee kostet im Schnitt 1,04 Euro mehr als konventioneller. Dieser Mehrpreis geht komplett an die Kaffeebauern. Ein Bio-Metzger kann wie viele andere Bioproduzenten auch den genauen Weg seiner Ware zurückverfolgen. Der Test bestätigt, dass viele Bio-Unternehmen auf ihre Warenproduktion nachhaltig und positiv Einfluss nehmen. Sie schaffen für ihre KundInnen zumeist eine wesentlich höhere Transparenz. Zum Beispiel versichern sie, dass ihre Produkte gentechnikfrei sind. Sie wirtschaften deutlich nachhaltiger. Für mich ein Grund weiter auf Bio zu setzen. Vielleicht auch nur, um nicht den Etablierten in der Lebensmittelindustrie mein Geld zu geben. Oder auch nur, weil ich nicht am nachhaltigen Essen sparen will, um mir eine nicht-nachhaltige Markenjeans kaufen zu können.


Schlagworte: Landwirtschaft, Ökologisch