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Gesundheit! Aber wie?
Wenn einem etwas zustößt, können auf einmal ziemlich hohe Kosten entstehen. Ein Krankenwageneinsatz kostet beispielsweise mehrere Hundert Euro, ein Rettungshubschrauber-Einsatz sogar mehrere Tausend. Aber auch Krankenhausaufenthalte und teure Medikamente können von den wenigsten Menschen vom Ersparten bezahlt werden. Deshalb gibt es Krankenversicherungen, denen wir monatlich Beiträge zahlen, damit diese im Bedarfsfall die Kosten für Arzt, Medikamente und Krankenhaus für uns übernehmen.
In Deutschland gibt es zwei Arten von Krankenversicherungen. Manager Tim ist zum Beispiel in einer privaten Krankenversicherung. Sie funktioniert wie andere privatwirtschaftliche Unternehmen, muss sich also im Wettbewerb beweisen und Gewinn erwirtschaften. Eine private Krankenkasse kann sich ihre Mitglieder aussuchen. Sie kann die Höhe ihrer Beiträge selbst bestimmen und dafür entsprechend mehr Leistungen anbieten. So bekommt Tim beispielsweise ein Einzelzimmer im Krankenhaus, kann sich teurere Medikamente leisten und wird vom Chefarzt höchstpersönlich operiert. Da die Privatversicherungen meist teuer sind und man sich erst ab einem bestimmten Einkommen privat versichern kann, sind ihre Mitglieder in der Regel Selbstständige, Beamte und andere Menschen mit höheren Einkommen.
Damit in Deutschland alle Menschen krankenversichert sind, gibt es die gesetzlichen Krankenversicherungen. In ihnen sind 90 Prozent der Deutschen versichert, hauptsächlich ArbeiterInnen, wie zum Beispiel Schlosserin Anja, Angestellte, Ingenieure, wie Peter sowie Menschen ohne Arbeit. Die gesetzlichen Krankenversicherungen beruhen auf dem Solidaritätsprinzip. Das heißt, jeder dort Versicherte trägt zu den Gesamtkosten aller Versicherten bei. Dazu überweisen die Firmen, bei denen Anja und Peter arbeiten, jeden Monat einen festgesetzten Prozentsatz ihrer Arbeitslöhne (2010: 14,9 %) an die Krankenkasse. Weil Anja in ihrer Firma verhältnismäßig wenig verdient, zahlt sie weniger Geld als Peter, der mehr verdient. Anja und Peter erhalten als Versicherte in einer gesetzlichen Krankenkasse oft nicht so gute Leistungen wie Manager Tim, der häufig auch schneller einen Termin bekommt und selbst entscheiden kann, ob er direkt zu einem Facharzt geht. Anja braucht dafür eine Überweisung vom Hausarzt.
Viele Menschen finden die unterschiedliche Behandlung von gesetzlich und Privatversicherten ungerecht und sprechen von einer „Zweiklassenmedizin“. Die Befürworter der zwei Systeme sind dagegen der Meinung, dass man das Recht haben müsse, selbst zu entscheiden, wie viel Geld man im Tausch gegen zusätzliche Leistungen für Gesundheit ausgeben wolle.
Das Hauptproblem dieses Gesundheitssystems ist aber, dass mit immer mehr Geringverdienern und Menschen ohne Arbeit in der gesetzlichen Versicherung Anja oder Peter immer mehr von ihrem Lohn für ihre Krankenkasse abgeben müssen, um bei der Deckung der zusätzlichen Kosten zu helfen. Die Beiträge der gesetzlichen Krankenkasse müssen daher ständig erhöht werden. Tim merkt von diesem Problem wenig, da in seiner privaten Krankenkasse hauptsächlich gut verdienende Menschen Mitglied sind und er die Krankenkosten der Ärmeren in den gesetzlichen Krankenkassen nicht mitfinanzieren muss. Auch dies wird oft als ungerecht empfunden.
Einige ProfessorInnen haben sich daher zusammengesetzt und zwei Vorschläge zur Umgestaltung des deutschen Gesundheitssystems erarbeitet. Zum einem gibt es den Vorschlag einer Gesundheitsprämie, auch Kopfpauschale genannt, die von CDU/CSU und vor allem FDP favorisiert wird. Das andere Konzept sieht eine Bürgerversicherung vor, die SPD, Grüne und Linke einführen wollen. Das Konzept der Bürgerversicherung weitet den Solidaritätsgedanken auf alle BürgerInnen aus. Ein Problem des bisherigen Gesundheitssystems ist es ja, dass die Privatversicherten, wie Tim, nicht die Kosten für die Menschen mit weniger oder keinem Einkommen mittragen, da diese in der gesetzlichen Versicherung sind. Im Modell der Bürgerversicherung sollen daher alle BügerInnen des Landes in einen gemeinsamen Topf einzahlen, aus dem eine medizinische Grundversorgung bezahlt wird. Private Krankenversicherungen würden dann nur noch Zusatzleistungen, wie ein Einzelzimmer im Krankenhaus, anbieten. Die GegnerInnen dieses Modells befürchten allerdings, dass eine solche Bürgerversicherung zu teuer werde, da sich die Krankenkassen nicht im Wettbewerb befänden und sich somit nicht anstrengen würden, Kosten, zum Beispiel durch eine geschicktere Verwaltung, einzusparen. Außerdem sind natürlich die privaten Krankenversicherungen dagegen, weil ihre Existenzgrundlage stark eingeschränkt würde.
Eine Kopfpauschale bedeutet, dass alle mit einem einheitlichen Satz besteuert werden. Gutverdiener Tim muss also genauso viel für die Gesundheit bezahlen wie Anja, die wenig verdient. Für Menschen mit wenig Einkommen könnte es einen Sozialausgleich aus Steuern geben. Die BefürworterInnen dieser Lösung sind überzeugt, dass dadurch Firmen mehr Menschen einen Job geben, da sie den Krankenkassen nicht mehr so viel Geld überweisen müssen. Die KritikerInnen befürchten dagegen, dass das Gesundheitssystem dadurch noch ungerechter würde. Sie bezweifeln, dass Menschen wie Anja einen ausreichenden Sozialausgleich bekämen.
Die letzte Regierung aus CDU/CSU und SPD konnte sich bei ihrer Gesundheitsreform nur auf einen Kompromiss einigen, den sogenannten „Gesundheitsfonds“. Alle gesetzlich Versicherten, deren ArbeitgeberInnen und der Staat zahlen in einen großen Geldtopf ein. Die Versicherungen bekommen daraus das Geld für ihre Ausgaben. Wenn dieses Geld nicht reicht, müssen sie zusätzliche Beiträge von den Versicherten, wie Anja, einfordern. Anja kann dann zu einer Versicherung wechseln, die weniger Geld zusätzlich verlangt. Manager Tim und die anderen Privatversicherten übernehmen bei diesem Modell immer noch keinen Anteil der Gesundheitskosten für gesetzlich versicherte Menschen ohne Arbeit oder mit wenig Einkommen. Viele empfinden den Gesundheitsfonds daher nicht als Fortschritt.
Mittlerweile wollen CDU und CSU den Gesundheitsfonds am liebsten beibehalten, während der Gesundheitsminister von der FDP versucht, die Kopfpauschale einzuführen. Welches System wir in Zukunft haben werden, kannst aber auch du bei der nächsten Wahl mit entscheiden. Bis dahin wird das Thema bestimmt noch viel diskutiert werden, sei es in der Talkshow oder am Gartenzaun.
Schlagworte: Gesundheit, Politik
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