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„Du machst keinen Sinn, nur Geld
Wer ist eigentlich „Geld oder Leben“?
Wir sind eine lose organisierte Gruppe politisch interessierter junger Leute. Wir denken, dass eine Veränderung des Bestehenden notwendig ist. Für diese Veränderung braucht es auch politische Aktionen, die eingreifen und Kritik sichtbar machen.
Was wolltet ihr mit der Aktion „Der Bundestag ist gescheitert“ aussagen und erreichen?
Politik richtet sich in ihren Handlungen nur nach den Wünschen der Wirtschaft. Die Antwort darauf soll kein Zynismus oder Politikverdrossenheit sein, sondern die Systemveränderung. Unsere Aufgabe ist es, bei den Menschen wieder den Glauben an eine antikapitalistische Alternative – jenseits vom Staatssozialismus – wachzurufen. Wir wollten mit der Aktion das eingefahrene Denken vieler Menschen aufrütteln, einen politischen Diskurs anregen und zeigen, dass Einmischung möglich und nötig ist.
Hattet ihr das Gefühl, die öffentliche Diskussion anzustoßen, die ihr euch gewünscht habt?
Nein, denn die kurzfristige Aufmerksamkeit ist sehr schnell abgerissen. Die Medien und die Politik haben sich so sehr im Bestehenden eingerichtet, dass sie an einer langfristigen, zukunftsorientierten Diskussion nur mäßig interessiert sind. Politik beschränkt sich heute meist auf die nächsten Monate, Medien schauen kaum weiter.
Wie sieht eure Utopie aus?
Unsere Utopie ist eine möglichst frei von Profit organisierte Gesellschaft. Eine Gesellschaft, in deren Mittelpunkt die Menschen stehen. Jeder Mensch soll seine Potenziale möglichst gut ausschöpfen können. Zentral ist eine Abkehr von der Arbeits- und Konsumvergötterung unserer Zeit. Die Wiederentdeckung der Muße, die Beschränkung der Arbeitszeit, der Ausbau des solidarischen Miteinanders und der zwischenmenschlichen Kommunikation sollten in der Zukunft die entscheidende Rolle spielen. Ohne die Abkehr vom Kapitalismus droht eine Entwicklung zu einer barbarischen Welt mit Umweltzerstörung, Kriegen und sozialer Ungleichheit. Dem müssen wir vorbeugen.
Schwingt ihr nur große Worte oder lebt ihr das, was ihr sagt?
Hoffentlich. In unserer Konsum- und Arbeitsgesellschaft gibt es viele kleine Entscheidungen, die harmlos aussehen aber weit reichende Folgen haben können. Konkrete politische Arbeit auf verschiedenen Ebenen, ein bewusster Konsum, ein reflektierter Umgang mit den Anforderungen der Arbeitswelt und eine Verweigerung der Anpassung an reines Nutzendenken und erstarrte Normen sind wichtig für uns. Wir pflegen ein solidarisches Miteinander, wozu auch die Unterstützung von Schwächeren gehört.
Muss man sich zwischen Geld und Leben entscheiden? Geht das eine nur ohne das andere?
Fast. Wenn Angelina Jolie oder Bill Gates glauben, sie könnten reich sein und damit Gutes tun, so drücken sie ein Grundgefühl des Kapitalismus aus: Erstens kann nur mit Geld etwas verändert werden und zweitens ist mehr Geld immer besser.
Wenige Reiche und viele Arme – diese zwangsläufige Auswirkung der kapitalistischen Welt beruht auf Ausbeutung, Umweltzerstörung, Gewalt und der Umwandlung der Gesellschaft in eine unsolidarische, egoistische Geldmaschinerie. Deswegen glauben wir nicht, dass man reich sein und ein gutes Leben führen kann. Wer auf der richtigen Seite steht, interessiert sich nicht nur für Juwelen, er interessiert sich für seine Mitmenschen.
Das Interview führte Nina Bartz
Nur einzelne Mitglieder des Kreises Geld oder Leben haben diese Fragen beantwortet. Somit sprechen sie häufig, aber nicht immer für die ganze Gruppe. Eine Gruppe besteht aus vielen Einzelpersonen, daher gibt es notwendigerweise Abweichungen und verschiedene Akzente.
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